miteinander entwickeln, experimentieren, "begreifen"
Unterwegs auf Islands Spuren der Erdkräfte
Mitten in der Nacht am 7. Juli 2026 startete die Studienreise des Geographie-Leistungskurses des Gymnasiums Gosheim-Wehingen nach Island. Eine Woche voller Naturgewalten, geologischer Highlights und intensiver Lernerfahrungen wartete auf die Lerngruppe. Die einwöchige Exkursion wurde von der Fachlehrerin Frau Pulvermüller geplant, organisiert und durchgeführt.
Nach der Landung in Keflavík ging es direkt, stilecht bei isländischem Wind und Regen zur Erkundung der Reykjanes-Halbinsel. Die Spuren des letzten Vulkanausbruches im Jahr 2025 in Form von pechschwarzen Lavafeldern, die bis an die Straße reichten, waren nicht zu übersehen, ebenso wie die zahlreichen blubbernden und dampfenden heißen Quellen im Geothermalgebiet Seltun. Am Ende eines langen Tages standen nach dem Einchecken in die Unterkunft weitere Herausforderungen an: einrichten, einkaufen – und den „Preis-Schock“ des isländischen Supermarkts verdauen. Ein gemeinsam zubereitetes Abendessen schloss den Ankunftstag ab.
Am folgenden Tag führte die Route Richtung Norden, wo sich das Wetter zum Glück wieder etwas freundlicher zeigte. Vom Vulkankrater Grábrók bot sich eindrucksvoll der Blick über Lavafelder sowie in einen Vulkankrater hinein. Anschließend zeigten die heißen, dampfenden Quellen von Deildartunguhver die Energie der Tiefe. Die Wasserfälle Hraunfossar und Barnafoss machten Erosion und Flussdynamik anschaulich, ehe sich die Gruppe in Hvammsvík persönlich von den in Island zahlreich vorhandenen heißen Quellen überzeugte. Einige wagten dort sogar ein kurzes Bad im nur 10 °C kalten Atlantik.
Früh aufstehen hieß es tags darauf für die Gletscherexkursion am Sólheimajökull. Nach dreistündiger Anfahrt ging es, ausgerüstet mit Helm, Gurt, Eispickel und Steigeisen begleitet von einem Guide, auf das Eis. Vor Ort wurden Gletscherformen, Spalten und Schmelz-wasserprozesse direkt am Objekt studiert. Ein eindrücklicher Lernort im Klassenzimmer Natur. Auf dem Rückweg beeindruckten die Basaltküste und der schwarze Sandstrand bei Vík sowie die Wasserfälle Skógafoss und Seljalandsfoss.
Der „Golden Circle“, Islands wohl bekannteste Touristenroute mit zahlreichen geographischen Highlights, brachte weitere Kerninhalte des Leistungsfachs in den Fokus. Im Nationalpark Þingvellir wurde die Plattengrenze durch zahlreiche Spalten zwischen Nordamerika und Eurasien sichtbar, der Geysir Strokkur demonstrierte mit zuverlässigen Eruptionen Wasserdruck und Thermik und der Gullfoss zeigte mit seinen zwei Gefällstufen und seine riesigen, in die Tiefe stürzenden Wassermassen die Kraft des Wassers. Am Kerið-Krater standen Vulkanismus und Maar-Entstehung auf dem Programm. Beim anschließenden Besuch im Geothermiekraftwerk Hellisheiði erhielten die Lernenden praxisnahe Einblicke in geothermische Energiegewinnungs-prozesse und CO₂-Speicherungsmöglichkeiten im Basaltgestein in der Tiefe.
Reykjavík zeigte sich am nächsten Tag als moderne Hauptstadt im Spannungsfeld von Natur und Kultur. Im Naturkundemuseum Perlan erlebte die Gruppe eine 3D-Nordlichter-Show, eine interaktive Vulkanshow und eine begehbare Eishöhle bei minus 15 °C. Der Nachmittag in Kleingruppen bot Raum für Stadterkundungen, bevor man sich abends wieder zum gemeinsamen Kochen traf.
Ein weiterer Höhepunkt war die Bustour über die Snaefellsnes Halbinsel. Die Gegend bot mit ihren Lavafeldern, Klippen und dem wilden Atlantik, inklusive seltener Begegnung mit zwei Seehunden und einem Polarfuchs, viele interessante Einblicke in die Geologie und Erdgeschichte Islands. Nach rund zwölf Stunden kehrte der Kurs erschöpft, aber begeistert und voller Eindrücke zurück.
Zum Abschluss forderte das isländische Wetter die Gruppe noch einmal heraus: Von Hveragerði ging es zu Fuß in das geothermale Gebitet Reykjadalur. Trotz widriger Bedingungen mit Wind, Regen und Nebel erreichte zumindest ein Teil der Gruppe die warmen Bachläufe, während der andere Teil früher umkehrte und sich in einem Café aufwärmte. Das Bad in den natürlichen „Hot Springs“ im Reykjadalur war ein weiteres Highlight auf der Exkursion, bevor es am Abend wieder ans Kofferpacken ging. Nach dem letzten gemeinsam gekochten Abendessen gab es zum Abschluss der gelungenen Exkursion noch einen Ice-land-Nachtisch und die mit 7 Euro wohl bisher teuerste Kugel Eis, die gemeinsam mit all den anderen Eindrücken und schönen Erlebnissen in Erinnerung bleiben wird.
Nach sieben intensiven und erlebnisreichen Tagen auf Island trat der Kurs am letzten Exkursionstag die Heimreise an und erreichte am Abend müde, aber voller unvergesslicher Eindrücke das GGW.
Ermöglicht wurde die Exkursion neben dem finanziellen Eigenanteil durch großes eigenes Engagement der Lernenden etwa durch Verkäufe zur Mitfinanzierung, sowie durch großzügige Unterstützung von außen. Ein besonderer Dank gilt den Förderern der Exkursion, insbesondere der Vector-Stiftung, der Firma Häring und dem Elternbeirat des Gymnasiums Gosheim-Wehingen. Ohne die zusätzlichen finanziellen Beiträge wäre die besondere Lernreise in dieser Form nicht möglich gewesen.




